Freitag, 11. Januar 2008

Behördengeschiss

so früh am Jahresanfang hätte ich auch nicht haben müssen.

Da flatterte mir doch ein Brief meines zuständigen Finanzamtes ins Haus - erwartungsvoll öffnete ich ihn, weil ich den entsprechenden Bescheid erwartete.

Oh wie ward mir anders, als ich den aus nur einem Satz bestehenden Brief las, in dem ich aufgefordert wurde, die Formulare etc. bis zu einer gesetzten Frist abzugeben.

Hallo???

Also rief ich an, und rief an, und rief an, und rief an - nur um jedes Mal niemand zu erreichen. Allerdings schloss ich nach und nach eine innige - fast schon finanz-intime - Telefon-Freundschaft mit dem freundlichen Herrn vom Empfang, der sehr empathisch mit mir umging, aber letzlich doch nicht helfen konnte.

Eben, einen Tag später erreichte ich nun jemand - der zwar nicht zuständig, aber immerhin stellvertretend anwesend war.

Er wiederholte die Aufforderung, die Unterlagen einzureichen. Ich fand´s nicht witzig und erklärte, dass die Unterlagen seit mindestens sechs Wochen vorliegen würden.
Das fand er nicht witzig und meinte: "dann müssen Sie sich nochmal die Mühe machen und die Unterlagen zusammstellen. Ich habe hier keine. Punkt. Basta."

Das fand ich wieder nicht witzig und bestand darauf, dass die Unterlagen im Haus sind, da sie durch mich persönlich abgegeben waren! Er war wieder dran mit nicht witzig finden und bemängelte, dass ich ja wohl doch nicht persönlich abgegeben hätte, da dies heissen würde, dass ich die Unterlagen dem Sachbearbeiter direkt hätte übergeben müssen.

Wieder war ich nicht belustigt, da ich ihm deutlich machte, dass auch der ach so nette Mann an der Pforte für mich zum Finanzamt gehört. Schliesslich sitzt er ja auch innerhalb des Hauses und hat meine Unterlagen im Namen dieses Hauses entgegen genommen.
Und was dann intern passiert, kann wohl nicht mein Verantwortungsbereich sein.

Meine Bitte, dann nun mal im Haus nachzuforschen, wo meine Akte wäre, fand er dann doch endlich lustig. Er hat sogar durch die Nase geschnaubt, und gemeint, so was wäre nun ganz und gar nicht möglich, das müsste ich mir doch vorstellen können.

Ach je, wie jämmerlich ich mir vorkomme, dass mir hierzu jegliche Phantasie fehlt. Ich bedauerte das auch sehr, beharrte jedoch immer noch darauf, dass die Unterlagen da sind.

Endlich besann sich der Mensch darauf, dass er nun doch nicht zuständig sei und ich diese Information am besten schriftlich an seine Kollegin gebe.
Na ja, ein wirklicher Hoffnungsschimmer war das für mich nicht, denn ich befürchte einfach eine Wiederholung dieser Kommunikation. Aber um meinen guten Willen zu zeigen, bat ich um die Mailadresse.

Das fand mein Gesprächspartner wieder nicht lustig und bestand daruf, dass ich als willige Steuerzahlerin keine Mails an meine zwangsweise zugewiesenen Sachbearbeiter schicken kann.
Ach weh, ich ersparte mir den Hinweis seiner vorgesetzten Dienststelle, die explizit eine online ersichtliche Empfehlung herausgegeben hat, welche Kommunikationsinhalte für Mailkontakte vorgesehen sein sollten und welche nicht.
Das hätte er gewiss auch wieder nicht lustig empfunden.

Doch was passiert, wenn die Unterlagen nun vom Finanzamt verschludert wurden? Ja, ich war so naiv und habe in der Eile keine Kopien gemacht; auch weil bisher die gleiche wiederholte Methode der persönlich abgegebenen Akte ohne Probleme verlief. Was mach ich dann, wozu bin ich verpflichtet?

Steuerwillig war ich, pflichtbewusst und sogar mit bereits bezahltem Steuerberater gesetzestreu im Inhalt, verantwortungsbewusst und persönlich engagiert habe ich alles gemacht und abgegeben in einer schon fast widerlichen Untertanenhaltung - und jetzt bekomme ich noch die Arschkarte.

Ehrlich, mir ist auch nicht zum Lachen. Nicht lustig!
Niwi - 12. Jan, 15:02

Liebe Endlosfaden,
das ist wirklich nicht lustig!
Viel Nerven.....

Sehr entgegenkommend war der stellvertretende Sachbearbeiter aber nicht! Vielleicht hättest Du ihn erinnern sollen, daß ja Steuerzahler wie Du sein Gehalt finanzieren.
Sind Beamte nicht auch Staatsdiener?
hmm *frag*
Einen Diener stelle ich mir anders vor.
Der wollte einfach nicht und stellte auf stur.

Erinnert mich an eine Situation in der Post:
Ich sollte einen Ausweis auf einen neuen Namen bekommen und der wurde per Post zugestellt.
Es war der erste Ausweis mit diesem neuen Namen.
Die Behörde, die den Brief schickte, schrieb am Empfänger den neuen Namen und die Post gab den Brief nicht her, weil ich mich nicht ausweisen konnte.
Alle Beteuerungen, mein neues Ausweis sei in dieser Sendung, fruchteten überhaupt nicht.

EndlosFaden - 13. Jan, 13:21

Hey Niwi,

du hast Recht, als Staatsdiener - also Diener des _Staates_ - nicht der Staatsbürger *G*. Mal sehen, was draus wird, es gibt ja immer noch übergeordnete Stellen - man kann solche Dinge ja auch nach oben delegieren .

Und was wurde aus deinem Ausweis - das war ein echtes Dilemma. Den hast du gewiss nicht bekommen, sondern musstest ihn perönlich beim Amt abholen?
Das sind genau solche Gelegenheiten, wo nur noch Kopfschütteln und Humor helfen kann :-).
Niwi - 18. Jan, 13:03

Ich bekam die Sendung nach langem hin und her und nachdem ich beim Postchef persönlich war.
Wolfa - 22. Jan, 08:39

Boahhh- das passt ja mal wieder zu allen Sachen, die wir mit dem FA durch haben! *knurr*- Hast du dir den Empfang der Sachen vom Pförtner bestätigen lassen? - Vermutlich nicht, wenns immer geklappt hat, kommt mensch ja nicht darauf.

Aber wenn du noch weißt, an welchem Tag du das Zeugs abgegeben hast, dann sollte die Sachbearbeiterin nachforschen können, wer a) Pförtnerdienst hatte und b) was dieser Mensch gewöhnlicherweise mit abgegebenen Sendungen macht. Und dann CSI-mäßig die Spur aufnehmen...

Bei mir waren mal alle meine Unterlagen für einen Lehrgang beim Arbeitsamt verschwunden- nach der dritten unfreundlichen Ansage bin ich dann richtig sauer geworden und es gab einen Riesenaufstand vor Ort- und siehe da, man erinnerte sich an einen geheimnisvollen, verschlosssenen Container auf dem Gang (!!!) von einer gekündigten Mitarbeiterin...in dem rein zufällig auch meine Akte schmorte. *Ohne Worte*

Ich drück dir mal ganz doll die Daumen, dass deine Unterlagen auch wieder auftauchen, auf jeden Fall darfst du ruhig richtig auf den Putz hauen, wenn sfreundlich nicht funktioniert- auch eine offizielle Beschwerde mit diskreten Hinweis auf die Zeitung kann helfen.

Liebe grüßlis Wolfa

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